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London zu Silvester — Königswetter, Mamma Mia und ein Jahreswechsel, den wir so nicht geplant hatten
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London, England10 Min. Lesezeit

London zu Silvester — Königswetter, Mamma Mia und ein Jahreswechsel, den wir so nicht geplant hatten

Fünf Tage London über den Jahreswechsel: Big Bus, Afternoon Tea im Café Royal, Mamma Mia! The Party — und was wirklich passiert, wenn man um Mitternacht in London noch einen guten Feuerwerk-Spot sucht.

Carina hatte sich etwas gedacht. Eine Überraschungsreise nach London über Silvester — fünf Nächte, alles vorab geplant und gebucht, ohne dass ich irgendetwas davon wusste. Wir sind am 29. Dezember von Hamburg nach London Stansted geflogen und am 3. Januar wieder zurück.


Ankunft und die erste Nacht

Abends ankommen, Hunger haben, Lieferservice bestellen — das war unser erster Fehler. Das Essen war wirklich schlecht: maximal überteuert, kaum genießbar, die Hälfte am Ende im Mülleimer. Ab dem nächsten Morgen wurde es deutlich besser.


Das Hotel — Motel One London Tower Hill

Wer Motel One kennt, weiß, was ihn erwartet: solider Standard, sauber, funktional, keine Überraschungen. Was die Tower-Hill-Lage auszeichnet: Tower Bridge ist fußläufig, die U-Bahn-Anbindung ausgezeichnet — in London ein echter Vorteil.

Das Frühstück war kein klassisches englisches. Keine Beans, kein Bacon — Aufschnitt und Brötchen. Wer das Full English möchte, muss das Haus verlassen.


Die Oyster Card — Carinas Vorarbeit

Carina hatte vorab eine Oyster Card besorgt und aufgeladen — genug für fast den gesamten Aufenthalt. U-Bahn, Bus, Overground — alles läuft darüber, und mit ausreichend Guthaben kommt man an fast jeden Punkt der Stadt.

Vorab online bestellen

Die Visitor Oyster Card lässt sich direkt beim offiziellen TfL Visitor Shop online bestellen und wird nach Hause geliefert — man kommt bereits mit Guthaben in London an, ohne am Flughafen anstehen zu müssen.

Wie die Abrechnung funktioniert

Beim Einsteigen Karte an den gelben Leser halten, beim Aussteigen erneut. Der Fahrpreis wird automatisch abgezogen. Dazu gibt es einen Daily Cap: Für die Zonen 1 und 2 liegt er aktuell bei £8,90 pro Tag — egal wie viele Fahrten man macht, mehr wird nicht abgebucht.

Was passiert, wenn das Guthaben leer ist

Im Bus ist noch eine letzte Fahrt auf null Guthaben möglich — der negative Betrag wird beim nächsten Aufladen verrechnet. In der U-Bahn geht das nicht: Dort braucht man ausreichend Guthaben, um die Schranken zu passieren.

Was man nach der Reise mit der Karte macht

Die Oyster Card verfällt nicht — beim nächsten London-Besuch einfach wieder aufladen. Wer das Restguthaben zurückhaben möchte: Bis zu £10 direkt am Ticketautomaten in der Station erstatten lassen. Über £10 muss man die Erstattung telefonisch oder online bei TfL beantragen. Die £7 Kartengebühr für Visitor Oyster Cards, die ab September 2022 gekauft wurden, ist nicht erstattungsfähig.


Tag 1 — Tower Bridge, Big Bus und Afternoon Tea

Klarer, blauer Himmel. Sonne über London, Ende Dezember. Was alle sagen: London ist grau und verregnet. Was wir hatten: fünf Tage mit strahlendem Sonnenschein. Untypisch, sagten uns mehrere Leute.

Tower Bridge

Der erste Stopp — das Hotel liegt praktisch in Sichtweite.

Big Bus Tours — London vom Oberdeck

Carina hatte für einen Tag eine Tour mit Big Bus Tours gebucht — Hop-on-Hop-off: ein Ticket, beliebig oft ein- und aussteigen, verschiedene Routen durch die Stadt, offenes Oberdeck bei gutem Wetter. Es gibt mehrere Anbieter in London, wir sind mit Big Bus gefahren. Das Konzept lohnt sich, wenn man in kurzer Zeit viele Orte sehen will.

Die Busse fahren unter anderem vorbei an:

  • Tower of London und Tower Bridge
  • St Paul's Cathedral
  • Tate Modern und Millennium Bridge
  • Shakespeare's Globe Theatre
  • Trafalgar Square und Whitehall
  • Buckingham Palace
  • Hyde Park und Marble Arch
  • Piccadilly Circus und Regent Street
  • Covent Garden
  • Houses of Parliament und Westminster Bridge

Roter Doppeldeckerbus und Big Ben — klassisches London
Roter Doppeldeckerbus und Big Ben — klassisches London

London Eye vom Oberdeck des Big Bus aus
London Eye vom Oberdeck des Big Bus aus

Buckingham Palace und die King's Guard

Am Buckingham Palace haben wir eine Weile verweilt — wegen der King's Guard Sentry Patrol. Zu bestimmten Zeiten läuft die Wache ab: sehr formell, sehr britisch. Mit Sonnenlicht wirkte das nochmal etwas pompöser.

Buckingham Palace
Buckingham Palace

Danach sind wir durch die Innenstadt gelaufen — Piccadilly Circus, durch die Shops, durch die vollen Straßen. London ist unglaublich voll, man kann kaum unterscheiden, ob man unter Touristen oder Einheimischen läuft. Was mich als Erstbesucher überrascht hat: Gefühlt wird jede Gastro von Indern geführt — was die Stadt gleichzeitig sehr kosmopolitisch macht.

Tamer und Carina auf der Westminster Bridge — Big Ben im Hintergrund
Tamer und Carina auf der Westminster Bridge — Big Ben im Hintergrund

Afternoon Tea im Hotel Café Royal

Das Hotel Café Royal liegt direkt an der Regent Street, wenige Schritte vom Piccadilly Circus — 68 Regent Street, London W1B 4DY. Der Traditional Afternoon Tea wird täglich von 12:00 bis 17:30 Uhr im Café Royal Grill serviert: ein denkmalgeschützter Raum mit vergoldeten Wänden, Spiegeln, kunstvoller Decke und Live-Piano. Oscar Wilde war Stammgast.

Der Café Royal Grill — vergoldete Wände, rote Samtsessel
Der Café Royal Grill — vergoldete Wände, rote Samtsessel

Tisch beim Afternoon Tea im Hotel Café Royal
Tisch beim Afternoon Tea im Hotel Café Royal

Was man pro Person bekommt:

  • Amuse-Bouche — zum Beispiel Smoked Salmon mit Chive Crème Fraîche und Keta Caviar
  • Herzhafte Sandwiches — Gurke mit Cream Cheese, Cacklebean Egg mit Mayonnaise, Smoked Trout mit Horseradish, Poached Chicken mit Tarragon Mayonnaise
  • Scones — mit Preserves und Clotted Cream
  • Patisserie — Rhubarb Yoghurt Mousse, Strawberry Tart, Chocolate Brownie mit Pecan Praline, Raspberry Choux
  • Teeauswahl — Silver Needle, Japanese Sencha, Café Royal 1865 Breakfast Blend, Earl Grey, Lemon & Ginger und mehr

Teeauswahl beim Afternoon Tea
Teeauswahl beim Afternoon Tea

Patisserie beim Afternoon Tea
Patisserie beim Afternoon Tea

Carina im Hotel Café Royal
Carina im Hotel Café Royal

Das ist übrigens Carina — ist sie nicht wunderschön?

Preis: £85 pro Person, £170 für zwei — umgerechnet rund €200, ohne Service Charge.

Den Abend haben wir schlendernd durch die Innenstadt ausklingen lassen.


Tag 2 — Silvester

Bei 24h- und 48h-Tickets von Big Bus Tours ist eine einmalige River Cruise mit City Cruises inklusive — eine One-Way-Fahrt auf der Themse, die man über das Big Bus Portal vorab als separates Ticket herunterladen und am Pier validieren lassen muss. Wir sind an der Tower Millennium Pier eingestiegen — Richtung Westminster Pier, die Themse entlang. Was der Bus nicht zeigt, zeigt das Boot: die Skyline auf einen Blick, vom Wasser aus.

Danach: ruhiger Tag durch die Innenstadt, kein großes Programm.

Mamma Mia! The Party

MAMMA MIA! The Party ist eine Dinner-Show in einer griechischen Kulisse in The O2, North Greenwich (U-Bahn: North Greenwich, Jubilee Line) — kreiert von ABBA-Gründer Björn Ulvaeus, die Londoner Fassung adaptiert von Sandi Toksvig. Man sitzt an Tischen, bekommt einen Welcome Drink, ein viergängiges griechisches Menü und erlebt dazwischen die Geschichte rund um die Taverne: Liebe, Drama, Humor, ABBA-Songs. Die Darsteller kommen an die Tische, der Abend endet mit einem Disco-Teil.

Blick in den Dinner-Show-Saal bei Mamma Mia! The Party in The O2
Blick in den Dinner-Show-Saal bei Mamma Mia! The Party in The O2

Griechische Vorspeise bei Mamma Mia! The Party
Griechische Vorspeise bei Mamma Mia! The Party

Beim Mamma Mia! The Party Abend
Beim Mamma Mia! The Party Abend

Die Dekoration war aufwendig, die Location schön inszeniert, das Essen wirklich lecker. Wir hatten unseren eigenen Bereich — vorab kann es sein, dass man mit anderen Gästen zusammengesetzt wird.

Ich liebe Musicals, aber ABBA ist nicht meine Welt — und das macht einen Unterschied. Das Essen hat mich an dem Abend mehr begeistert als die Musik.

Um 22 Uhr war der Abend offiziell vorbei. Wer den Countdown drinnen erleben will, bleibt für den Disco-Teil. Wer das Feuerwerk sehen will, verlässt The O2 um 22 Uhr — das sollte man vorher einplanen.

Wir haben das Zweite versucht.

Silvester in London

Die U-Bahn war voll. Die Straßen waren voll. Die beliebten Spots an der Themse so überfüllt, dass man sich einer riesigen Menschenmasse anschloss und hoffte, irgendwie näher ans Wasser zu kommen. Hat nicht funktioniert. Wir standen schließlich so, dass verschiedene Gebäude die freie Sicht versperrten — die obere Hälfte des London Eyes war zu sehen. Haben wir so akzeptiert.

Was London richtig macht: Es wird nicht privat geböllert. Die Straßen sind gesperrt, das Feuerwerk findet kontrolliert statt, danach sind die Straßen sauber. Wer das mit Silvester in Hamburg, Berlin oder Frankfurt vergleicht — Sirenen, Krankenwagen, Feuerwehr im Dauereinsatz — versteht den Unterschied.

Tipp: Wer das Feuerwerk sehen will, muss früh vor Ort sein. Realistisch ab 15 Uhr. Die Spots rund um South Bank, Waterloo Bridge und Victoria Embankment füllen sich früh.


Tag 3 — Fish & Chips bei Carnaby Fish Bar

Niemand fliegt nach London und isst kein Fish & Chips.

Wir sind ins Carnaby und haben uns bei der Carnaby Fish Bar entschieden: einmal Cod & Chips, einmal Haddock & Chips — serviert im Metallkörbchen mit Papier, Zitronenspalte und Tartare Sauce.

Cod & Chips und Haddock & Chips bei Carnaby Fish Bar
Cod & Chips und Haddock & Chips bei Carnaby Fish Bar

Cod (Kabeljau) ist milder und neutraler. Haddock (Schellfisch) aromatischer und kräftiger. Beide knusprig frittiert, innen weich und saftig — und sehr mächtig.

Kosten: £21 pro Portion, dazu zwei Coke Zero — rund £50. Für ein Gericht, das ursprünglich das Essen einfacher Leute war, ist das gehobener London-Preis. Die Qualität stimmt.


Tag 4 — Frühstück über den Dächern und Camden

Duck & Waffle

Carina hatte vorab reserviert — bei Duck & Waffle ist das Pflicht. Das Restaurant liegt im 40. Stock des Heron Tower bei Bishopsgate, mit großen Fenstern und Blick über London.

Wir haben das Signature-Gericht bestellt: Duck & Waffle — £26 pro Person. Eine knusprige Gressingham Duck Leg Confit, ein Spiegelei und Mustard Maple Syrup auf einer Waffel. Dazu Ingwershots und Säfte.

Duck & Waffle — das Signature-Gericht
Duck & Waffle — das Signature-Gericht

Süß-salzig, amerikanisch inspiriert — die Kombination aus Waffel, Ente, flüssigem Eigelb und dem Ahorn-Senf-Sirup funktioniert überraschend gut. Sehr mächtig für ein Frühstück. Geschmacklich hätte ich noch eine zweite Portion gegessen.

Wir hatten nicht den optimalen Tisch. Duck & Waffle lebt von seinen Fensterplätzen — wer direkt an der Scheibe sitzen will, sollte das bei der Reservierung ansprechen.

Kosten: £26 pro Person, plus 15 % discretionary service charge. Reservierung bis zu zwei Monate im Voraus möglich, teils mit Kreditkartenabsicherung.

Camden Stables Market

Früher tatsächlich Pferdeställe, heute ein weitläufiges Marktviertel in Camden Town, nahe Chalk Farm Road und Camden Lock — Backsteinwände, kleine Gassen, Vintage-Shops, Streetwear, Schmuck, Street Food aus aller Welt, Neonlichter.

Die bunten Schirme in der überdachten Passage
Die bunten Schirme in der überdachten Passage

Bunte Fassaden am Camden Market — Pop Mart und Street Art
Bunte Fassaden am Camden Market — Pop Mart und Street Art

New Rock Leather & Boot Store — typisch Camden
New Rock Leather & Boot Store — typisch Camden

American Café mit Kultfiguren an der Fassade
American Café mit Kultfiguren an der Fassade

Was man dort findet:

  • Vintage-Mode, Lederjacken, alternative Styles, Schmuck, Accessoires
  • Street Food: Dumplings, Bao Buns, Tacos, Falafel, Desserts
  • Den Fotospot bei den bunten Regenschirmen in der überdachten Passage
  • Am Regent's Canal etwas Abstand vom Markttreiben

Camden ist touristisch und voll — aber es fühlt sich anders an als der Rest der Stadt. Jünger, wilder, unkonventioneller.


Was wir nicht mehr geschafft haben

Fünf Tage sind in London knapp. Zwei Orte, für die die Zeit nicht gereicht hat:

Baker Street — die Heimat von Sherlock Holmes, mit dem bekannten Museum in der Nr. 221b.

Warner Bros. Studio Tour London — The Making of Harry Potter — etwas außerhalb der Stadt, aber eines der bekanntesten Ausflugsziele rund um London. Die originalen Sets, Kostüme und Requisiten aus allen acht Filmen. Vorab buchen ist Pflicht, die Tickets sind schnell ausverkauft.


Fazit

London ist teuer, unglaublich voll — und an Silvester nochmal eine eigene Kategorie. Die Stadt selbst hat uns von Anfang an eingenommen: das Wiedererkennen aus tausend Filmen, das Wetter, das einfach mitgespielt hat, Carinas Planung, die jeden Tag funktioniert hat.

Würden wir nochmal fahren? Ja — aber mit mehr Zeit, einem frühen Spot für Silvester und einem Tisch direkt am Fenster bei Duck & Waffle.